«Der Fabrik-Charme der Flumserei macht das Arbeiten in ihr besonders.»

Ein Gespräch mit den Architekten Roger Moos und Roman Guiliani über die neuen Gewerberäume in der Flumserei.

Das renommierte Architekturbüro Moos Giuliani Herrmann hat den Architektur-Wettbewerb für den Einbau von 83 Mietwohnungen und einer neuen Gewerbefläche von 2’000m² in den historischen Hauptbau der Flumserei gewonnen. In diesem Gespräch erklären die beiden Architekten Roger Moos und Roman Guiliani, wie die neuen Gewerberäume entstehen sollen und welche Vorstellungen sie vom zukünftigen Arbeitsalltag in der Flumserei haben.

In der Flumserei werden bald neue Gewerberäume entstehen. Was planen Sie konkret?

Im Erdgeschoss der ehemaligen Spinnerei werden auf knapp 1’600 m² Gewerbeflächen realisiert. Sie sind als Ergänzung zu den bestehenden Gewerbeflächen im Bogenbau gedacht. Wir erhoffen uns durch die Nähe zu den schon vorhandenen Gewerbemieter, dass sich die Mieter untereinander vernetzen, austauschen oder gar zusammenarbeiten.

Was ist das Besondere an den Gewerberäumen in der Flumserei?

Das Besondere ist der Fabrik-Charme, der in diesem bald hundertfünfzigjährigen Gebäude herrscht und die gute Infrastruktur, welche die Flumserei anbietet. Die Gewerbeflächen sind durch die überhohen Räume und durch die hohen Fenster sehr hell und haben eine gute, gleichmässige, natürliche Belichtung. Die Unterteilung der Dienstleistungs- und Gewerberäume ist sehr flexibel, im Maximum können 21 Einheiten entstehen. So kann die Eigentümerin in der Vermietung sehr gut auf die Bedürfnisse der Interessenten und Interessentinnen eingehen. Der Ausbau der Gewerberäume wird seitens der Vermieterin im Edelrohbau erstellt, so dass auch hier eine grosse Flexibilität in der Vermietung gewährleistet ist. Die Eingangshalle ist sehr grosszügig gestaltet, die Gangzonen sind über Innenhöfe natürlich belichtet.

 

Welche Unternehmen oder Personen sollen sich durch die neuen Gewerberäume angesprochen fühlen?

Es wäre natürlich wünschenswert, wenn in der Flumserei ein Kompetenzzentrum entstehen würde. Dies auch in der Absicht, dass sich die ansiedelnden Firmen gegenseitig befruchten und voneinander profitieren können. Aber auch für Dienstleister und Kleinunternehmer, die am gleichen Ort wohnen und arbeiten möchten, sind diese Gewerbeflächen sehr geeignet. Wir können uns Nutzungen in der Spanne von den Kreativen bis Kleinstproduzenten vorstellen, also von der Grafikerin bis zum Goldschmied.

Wodurch zeichnet sich ein zeitgemässer Gewerberaum aus, wie lässt es sich darin arbeiten?

Themen wie Licht, Raum und Luft sind entscheidend. Die Materialisierung sollte zeitgemäss und zurückhaltend sein. Wir glauben, dass eine Minimalisierung der Materialen in den Räumen das Konzentrationspotential fördert und weniger „Ablenkung“ bietet. Wir versuchen so die Gestaltungs- und Einrichtungsmöglichkeiten nicht einzuschränken, um den Vorlieben der Mieter möglichst grossen Spielraum zu geben. Die technischen Anschlussmöglichkeiten von neuen Medien müssen jederzeit möglich und erweiterbar sein. Ebenfalls sind Parkierungsmöglichkeiten für Kunden und Mitarbeitende sehr gefragt. Die allgemeinen Zonen sollen einladend und freundlich gestaltet sein.

Was sind die aktuellen Entwicklungen in der Planung und Realisation von Gewerberäumen? Welche Trends sind spannend?

Die Flächen von Gewerberäumen müssen punktuell und flexibel angeboten werden können. Auch nach der Erstvermietung sollten die Flächen räumlich angepasst werden können. Die heutigen Gewerbemieter wollen sich nicht um die allgemeine Infrastruktur kümmern müssen. Es scheint uns wichtig zu sein, dass die Gewerbeeinheiten für Kunden möglichst ebenerdig erreichbar sind. Die Anlieferung sollte ebenfalls ebenerdig oder über Lifte stattfinden können.

Ein Sprung in die Zukunft: Wie sieht ein Arbeitsalltag im Jahr 2020 in der Flumserei aus?

Es ist ein belebtes Areal mit unterschiedlichen Begegnungszonen im und ums Haus herum, die den Austausch unter den Bewohnern, aber auch zwischen Bewohnern und Arbeitenden ermöglichen und fördern. Auf dem grossen Fabrikplatz, im Schatten der grossen Bäume wird der Lunch eingenommen und im Hof hinter dem Haus spielen die Kinder. 

Eine letzte Frage: Wann zügelt Ihr Architekturbüro Moos Giuliani Herrmann in die Flumserei?

Wir werden wohl die „ersten“ sein, denn unser Baubüro vor Ort ist in der Flumserei gut aufgehoben. Und wer weiss, vielleicht wollen unsere Mitarbeiter gar nicht mehr weg und unsere nächste Filiale entsteht in Flums.

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Roger Moos

wurde am 27. November 1967 in Zürich geboren. Seit 1995 ist er bei Moos Giuliani Herrmann Architekten.

Funktion
Geschäftsleitungsmitglied, Projektentwicklung und Entwurf

Engagement
Mitglied der Stadtbildkommission Wetzikon
Mitglied der Kulturkommission Uster
Mitglied der Heimatschutz- und Stadtbildkommission Dübendorf
Mitglied der Natur- und Heimatschutzkommission des Kantons Zürich
Dozent für Entwurf und Konstruktion an der ZHAW

Passion
Kunst, Segeln, Kochen

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Roman Giuliani

wurde am 15. November 1968 in Schaffhausen geboren. Seit 1995 ist er bei Moos Giuliani Herrmann Architekten.

Funktion
Geschäftsleitungsmitglied, Projektentwicklung, Entwurf

Engagement
Grossratsmitglied Kanton Thurgau bis Juni 2016
Mitglied der Raumplanungskommission Kanton Thurgau (bis Juni 2016)
Mitglied der Regionalkonferenz Zürich Nordost
Mitglied der Fachgruppe Oberflächenanlage Zürich Nordost
Bankratsmitglied Kantonalbank Thurgau
Vorstandsmitglied Kurskommission Zeichner Fachrichtung Architektur Schaffhausen
Vorstandsmitglied Rhysolar

Passion
Politik, Ski, Kunst

moos. giuliani. herrmann. architekten.

Im Lot 8, 8610 Uster
Telefon +41 44 905 29 29
Fax +41 44 905 29 28

architekten@mgh.ch |  www.mgh.ch

Weitere Standorte
Diessenhofen, Andelfingen und Schaffhausen

Gründung
1995

Partner
Roger Moos
Roman Giuliani
Christian Herrmann

Architekturwettbewerb

Die Innobas AG, Eigentümerin und Betreiberin der Flumserei, plant, die restlichen knapp 20‘000 m2 im Hauptbau umzunutzen: In den Spinnereisälen aus dem Jahre 1866 soll einzigartiger Wohnraum entstehen.
In einem zweistufiger Architektur-Wettbewerb im Einladungsverfahren wurden Nutzungsstudien und -ideen sowie Ansätze für marktgerechte, kleinere und damit ökonomisch interessante Etappierungsmodule für den Hauptbau eruiert. Ebenso wurden Erschliessungs-, Gestaltungs- und Parkierungskonzepte für das gesamte Areal gesucht. Aktuell wird das Siegerprojekt des Architekturbüros Moos Giuliani Herrmann weiter vertieft und ausgearbeitet.