Jedes Element bringt seine eigene Geschichte mit

Normalerweise soll nach einem Umbau alles möglichst neu aussehen. In den Werkstätten der Werkgasse ist das Gegenteil der Fall. Ein Umbau mit wiederverwendeten Materialien folgt anderen Regeln als ein herkömmliches Bauprojekt.

Aus Alt mach Zukunft

Die neuen Räume in der Werkgasse erzählen eine besondere Umbaugeschichte: eine Geschichte der Wiederverwendung. Statt viele neue Materialien einzusetzen, wurde bewusst nach vorhandenen Bauteilen gesucht. Das Ziel: den Umbau so CO2-neutral wie möglich umsetzen.

So wurden beispielsweise Stahlträger im Turbinenhaus vor dem Umbau sorgfältig demontiert, eingelagert und nun wieder eingebaut. Auch zahlreiche Fenster erhielten ein zweites Leben: Sie stammen aus dem Hauptgebäude der Flumserei und wurden als Teil moderner Kastenfenster in den Werkstätten wiederverwendet. Aussen historischer Charme, innen zeitgemässer Standard. Das Resultat ist ein Gebäude, das Vergangenheit und Zukunft auf besondere Weise verbindet.

Auf Schatzsuche für den Umbau

Ein Umbau mit wiederverwendeten Materialien folgt anderen Regeln als ein herkömmliches Bauprojekt. Statt zuerst zu planen und dann einzukaufen, läuft der Prozess teilweise genau umgekehrt. Gemeinsam mit der Firma Zirkular machte sich das Planungsteam vom Baubüro in situ auf die Suche nach passenden Bauteilen. Dabei galt es, echte Schätze zu finden: Die markanten Leuchten stammen beispielsweise vom SBB-Bahnhof Basel, die Stahltreppe aus einer ehemaligen SBB-Werkstatt.

Ein Umbau nach dem Re-use-Prinzip verlangt aber nicht nur eine gute Spürnase, sondern auch viel Flexibilität. Man arbeitet mit den Materialien, die verfügbar sind, und passt Planung, Masse oder Details entsprechend an. Das zeigt sich selbst bei den Fenstern: Für die neuen Elemente der Kastenfenster musste exakt jener Rotton gefunden werden, den die alten Fenster über viele Jahre durch Sonne, Wind und Wetter angenommen hatten. Was wie ein kleines Detail wirkt, erforderte einiges an Tüftelei.

Solche Projekte verlangen zudem oft schnelle Entscheidungen. Wird ein passendes Bauteil entdeckt, muss es teilweise innert weniger Tage reserviert und abgeholt werden. Genau diese besondere Herangehensweise macht den Charakter der neuen Räume aus: Jedes Element bringt seine eigene Geschichte mit.

Patina ausdrücklich erwünscht

Normalerweise soll nach einem Umbau alles möglichst neu aussehen. In den Werkstätten der Werkgasse war das Gegenteil der Fall. Der Boden besteht aus Holzplatten, die bereits fünf bis sechs Saisons in Eventzelten im Einsatz waren. Statt fabrikneu präsentiert er sich mit sichtbaren Gebrauchsspuren und einer natürlichen Patina. Genau das war gewünscht: Die Oberfläche passt perfekt zum industriellen Charakter der Gebäude und erzählt von ihrer bisherigen Nutzung. Damit die Böden den Anforderungen der Events und des späteren Alltags problemlos standhalten, wurden sie mit einer widerstandsfähigen Kunstharzbeschichtung versehen. So verbinden sie Robustheit, Nachhaltigkeit und Charakter auf einzigartige Weise.


Bilder: Baubüro in situ / Martin Zeller

 

 

 

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